OKR Beispiele für Marketing: 3 konkrete Beispiele + typische Anti-Patterns

Marketing ist einer der Bereiche, in denen OKRs besonders gut funktionieren, wenn sie richtig eingesetzt werden. Das sage ich nicht nur aus Theorie, sondern aus eigener Erfahrung: Ich war über 12 Jahre Teil sehr dynamischer Marketing-Teams, vor allem im E-Commerce-Umfeld. Das bedeutet: Schnelles Wachstum, neue Kanäle, neue Tools, neue Ideen – ständig und immer.

In diesem Artikel beschreibe ich, warum Marketing so stark von OKRs profitieren kann und nennen konkrete Beispiele und Anti-Beispiele.

Warum OKRs im Marketing besonders gut funktionieren

1. Sie helfen auszuwählen, was man macht – und was bewusst nicht

Marketing ist verführerisch, denn es gibt immer einen neuen Kanal, ein neues Feature, ein neues Tool oder einen neuen Trend den man ohne große Hürden ausprobieren und starten kann. Ohne OKRs passiert oft genau das: Man fängt alles ein bisschen an, statt die richtigen Dinge intensiv zu bearbeiten.

OKRs zwingen zur Entscheidung:

  • Was zahlt wirklich auf unser Ziel ein?

  • Was lassen wir dieses Quartal bewusst liegen?

Diese Klarheit fühlt sich am Anfang unbequem an – ist aber genau das, was Marketing-Teams entlastet und führt innerhalb der Abstimmungen oft zu Erleichterung.

2. Sie erzeugen eine krasse Lernkurve für das ganze Team

Ein Effekt, den ich massiv unterschätzt habe: Der Deep Dive alle 3 Monate.

  • Was hat funktioniert? Was nicht?

  • Wo stehen wir?

  • Was haben wir gelernt?

OKRs machen Lernen und Austausch verbindlich. Nicht als Retro-Übung, sondern als Teil der Zielarbeit. Das hebt nicht nur die Qualität der Entscheidungen, sondern auch das strategische Denken im Team.

3. Sie verschieben den Fokus: von Aktivität zu Wirkung

Viele Marketing-Teams stecken unbewusst in einem Modus: „Das machen wir schon immer so.“ Aber kaum jemand fragt systematisch:

  • Welche Wirkung hatte das eigentlich?

  • Hat es uns dem Ziel nähergebracht?

OKRs brechen genau dieses Muster auf. Sie zwingen euch dazu, in Wirkung zu denken – nicht in Aufgaben.

Drei Beispiele für OKRs im Marketing

Zur Erinnerung: Das Objective beschreibt, was ihr erreichen, testen oder lernen wollt – also die Wirkung. Die Key Results beschreiben, woran ihr messen könnt, ob ihr die Objectives erreicht habt oder nicht. Es sind im Optimalfall keine To Do’s, diese bezeichnet man als dritte Ebene, als Initiatives.

OKR Beispiel 1: KI-Sichtbarkeit im Marketing erhöhen

🎯 Objective: Unsere Marke wird in KI-gestützten Such- und Antwortsystemen sichtbar und relevant.

✅ Key Results:

  1. Unsere Inhalte werden in mindestens 30 % der relevanten KI-Antworten zu OKR-Themen erwähnt

  2. 5 priorisierte Seiten sind explizit auf AI-Search & LLM-Antwortlogik optimiert

  3. Der organische Traffic aus AI-nahen Suchanfragen steigt um 25 %

➡️ Fokus: Ist zunächst Wahrnehmung und Relevanz, nicht die Content-Menge.

❌ Anti-Beispiel (Objective = To-do)

Objective: KI-Sichtbarkeit verbessern
Key Results:

  • 10 Blogartikel zu KI schreiben

  • Website-Texte anpassen

  • Prompting ausprobieren

👉 Das misst Aktivität, aber keine Wirkung. Die Key Results könnten abgearbeitet werden, enthalten aber keine Aussagekraft darüber, ob eure Sichtbarkeit in KI Tools wirklich gestiegen ist. Deshalb sind die Key Results ungeeignet.

OKR Beispiel 2: Automatisierte E-Mail-Flows zur Reaktivierung von Bestandskunden

🎯 Objective: Automatisierte E-Mail-Flows reaktivieren Bestandskunden und steigern nachhaltig deren Wiederkaufrate.

✅ Key Results

  1. Die Reaktivierungsrate inaktiver Bestandskunden steigt von 8 % auf 18 %

  2. Automatisierte E-Mail-Flows generieren mindestens 25 % des gesamten E-Mail-Umsatzes

  3. Der CLV steigt um 15%.

➡️ Diese Key Results messen die Wirkung und nicht nur die Anzahl versendeter Mails.

❌ Anti-Beispiel (Objective = To-do)

Objective: Reaktivierungs-Mails aufsetzen
Key Results:

  • 5 neue E-Mail-Flows bauen

  • Neue E-Mail-Texte schreiben

  • Tool für Marketing Automation einführen

👉 In diesem Fall hättet ihr viel umgesetzt – aber keine Aussage darüber, ob Kunden tatsächlich zurückgewonnen werden. Oft geben einem die Tätigkeiten ein Gefühl von Zielerreichung. Allerdings sagen sie nichts darüber aus, wie effektiv die Maßnahme war. Das gilt es in OKRs zu vermeiden. Die im Beispiel genannten Key Results sind also eher To Do’s (Initiatives).

OKR Beispiel 3: PR-Wirkung für einen öffentlichkeitswirksamen Launch vorbereiten

Im Gegensatz zu Performance-Marketing zeigt sich PR-Wirkung oft zeitverzögert. Gerade bei großen Launches entscheidet sich der Erfolg Wochen oder Monate vorher – durch Beziehungen, Relevanz und Timing. Deshalb gestaltet sich die Messbarkeit innerhalb von dem Quartal, indem die Arbeit stattfindet, eher schwierig. OKRs helfen dennoch dem PR-Team in Q3, nicht einfach „Pressearbeit zu machen“, sondern gezielt Wirkung für Q4 aufzubauen.

🎯 Objective: Der anstehende Launch wird von relevanten Leitmedien aktiv aufgegriffen und als wichtiges Thema wahrgenommen.

✅ Key Results

  • Mindestens 25 qualifizierte Hintergrundgespräche mit relevanten Journalist:innen werden geführt

  • 10 zugesagte Berichte in priorisierten A-Wunschmedien liegen bis Ende Q3 vor

  • 80 % der definierten Kernbotschaften werden in Briefings aktiv aufgegriffen und verstanden

  • Zum Launch sind mindestens 5 exklusive Platzierungen zeitlich abgestimmt vorbereitet

➡️ Diese KRs messen die Vorbereitung von der gewünschten Wirkung und nicht die spätere Reichweite.

❌ Anti-Beispiel (Objective = To-do)

Objective: PR für den Launch vorbereiten
Key Results:

  • Presseverteiler aktualisieren

  • Pressemitteilung schreiben

  • Journalisten anschreiben

  • 100.000 Reichweite

👉 Die ersten drei Punkte sagen nichts darüber aus, ob der Launch tatsächlich medial trägt. Das Letzte lässt sich in der Zeit der Arbeit noch nicht messen, da die Berichterstattung erst später erfolgt.

Meine 5 Tipps für OKRs im Marketing (kurz & klar)

  • Objectives helfen bei der Auswahl, nicht bei der Vollständigkeit: Marketingteams haben mehr Ideen, Kanäle und Möglichkeiten als Kapazitäten. Gute Objectives helfen zu entscheiden, was dieses Quartal bewusst nicht gemacht wird.

  • Key Results müssen Wirkung messen, nicht Fleißarbeit: Viel Output (Content, Kampagnen, Assets) fühlt sich produktiv an, verdeckt aber oft fehlende Wirkung. Key Results sollten zeigen, was sich beim Markt oder bei Kunden tatsächlich verändert.

  • Begrenze die Anzahl an Objectives, um Zettelwirtschaft zu vermeiden: Zu viele Marketing-OKRs führen zu parallelen Kampagnen, Kontextwechseln und Überforderung. Wenige, klare Objectives schaffen Fokus und Geschwindigkeit. Was sind die wichtigsten 3 Ziele, die ihr verfolgt?

  • Nutze OKRs, um Lernen systematisch zu erzwingen: Marketing lebt von Tests – doch ohne OKRs werden Learnings selten konsequent ausgewertet. Regelmäßige OKR-Reviews machen Lernen verbindlich statt zufällig.

  • Verknüpfe Marketing-OKRs klar mit Unternehmenszielen: Marketing wird sonst schnell als „Service-Abteilung“ wahrgenommen. Klare Verbindungen zu Wachstum, Wahrnehmung oder Kundenbindung schaffen strategische Relevanz und Alignment.

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Schwarzweiß-Foto einer lächelnden Frau, die aus einem Fenster schaut.

ÜBER MICH

Ich bin Katrin Engel, selbstständige OKR- und Marketing-Beraterin mit Sitz in Berlin – aber deutschlandweit für euch im Einsatz. Nach über 12 Jahren in der Startup-Welt mit Fokus auf Marketing und eCommerce habe ich mich Ende 2023 selbstständig gemacht, um Unternehmen dabei zu helfen, mehr Klarheit, Fokus und Umsetzungskraft in ihre Arbeit zu bringen.

🚀 OKRs als Werkzeug für mehr Fokus

Mein Ziel sind starke Teams – mit klaren Zielen, messbaren Fortschritten und einem strukturierten Prozess. Ob durch einmalige Workshops oder eine langfristige Begleitung, ich unterstütze euch von der Einführung über erste Zyklen bis hin zur eigenständigen Nutzung – flexibel, praxisnah und an eure Bedürfnisse angepasst.

📈 Marketingstrategie und Projektmanagement

Mit meinem E-Commerce- und Marketing-Hintergrund habe ich Marken aufgebaut, Teams geführt und gelernt, wie man Strategie, Struktur und Umsetzung optimal verbindet. Ich unterstütze euch dabei, eine sinnvolle Marketingstrategie zu entwickeln oder komplexe Marketingprojekte umzusetzen.

Wenn du mit deinem Team fokussierter arbeiten und echte Ergebnisse erzielen willst, lass uns sprechen.

Dieser Artikel erklärt, warum OKRs besonders gut für Marketing-Teams geeignet sind und wie sie richtig eingesetzt werden. Er zeigt anhand konkreter Beispiele aus Marketing, PR und E-Mail-Automatisierung, wie OKRs helfen, Fokus zu schaffen, Wirkung messbar zu machen und kontinuierliches Lernen im Team zu fördern. Der Artikel macht deutlich, welche typischen Fehler Marketing-Teams bei OKRs vermeiden sollten und warum gute OKRs nicht Aktivitäten messen, sondern Ergebnisse und Veränderungen.